Festschrift zum 200jährigen Bestandsjubiläum
Festschrift zum 200-Jahr-Jubiläum
Erstmals wurde die „Musi" 1808 erwähnt, als sie zum Fronleichnamstag unter dem Kapellmeister Josef Anton Hosp ausrückte. Gespielt wurden Holzblasinstrumente, wie Schwegelpfeifen und einfache Klarinetten, sowie Trommeln und Naturhörner. Aus wie vielen Musikanten die damalige Kapelle bestand, ist leider nicht überliefert.
Um die Jahrhundertwende kam es in Südafrika zu einem Krieg zwischen den Engländern als Kolonialmacht und den weißen Siedlern, den „Buren". Aufgrund eines Streites spaltete sich die Kapelle in die „Burenmusik" und „Engländer", die von da an getrennte Wege gingen. 1903 veranstalteten die Engländer einen Faschingsball im Hotel Sonnenspitze, zu dem alle geladen waren, bis auf die Mitglieder der Buren. Als dann eben diese vor der Tür standen, forderten die Engländer sie überraschend auf mitzutanzen. Im Zuge der gemeinsamen, fröhlichen Feier, fanden die beiden konkurrierenden Kapellen wieder zu einander und einigten sich auf den Vereinsnamen „Bürgermusikkapelle Ehrwald", den wir noch immer führen.
1913 entschloss man die Kapelle neu und einheitlich zu kleiden. Die damals entworfene Tracht, blieb im Erscheinungsbild bis heute erhalten. Eine Ausnahme ist hierbei die Bekleidung der weiblichen Musikantinnen. Erst 1980 wurden Frauen in unserer Kapelle aufgenommen. Anfänglich trugen auch diese die Tracht der Männer, bis man sich auf das schöne Dirndl mit Seidenschurz und -tuch einigte.
1914 begann der erste Weltkrieg. Die meisten aktiven Mitglieder mussten ins Feld ziehen. Trotzdem wurden Jungmusiker ausgebildet, sodass zu Ende des Krieges 1918 wieder eine Musikkapelle zusammengestellt werden konnte.
Die erste Musikvereinsfahne wurde 1926 geweiht, deren Patenschaft Frau Roberta Guem übernahm. Die weiß-rote Fahne stellt auf der Vorderseite im weißen Feld den Tiroler Adler dar, auf der Rückseite die heilige Cäcilia als Namenspatronin der Musik. Noch heute hängt diese als Symbol für Kameradschaft und Treue zur Musik, für jeden sichtbar in unserem Probelokal.
1938 erfolgte der gewaltsame Anschluss Österreichs an das nationalsozialistische Deutschland und alle kirchlichen Ausrückungen wurden untersagt.
1941 erlosch das Vereinsleben völlig, da alle jungen Leute im Krieg waren und die Instrumente von der NS-Parteileitung eingezogen wurden.Ing. Max Schennach: „Ich bin 1943 eingerückt und habe das Flügelhorn meines Vaters bestens präpariert und sorgfältig versteckt. Bei der Sammelaktion hat es meine Mutter verleugnet. Mein Freund Ferdl Kerber machte mit seinem Baßflügelhorn dasselbe."
Zu Weihnachten 1945 spielten Max Schennach und Ferdl Kerber nach ihrer Rückkehr aus der Gefangenschaft zum ersten Mal wieder nach der Christmette das Lied „Stille Nacht- heilige Nacht" vom Kirchturm. Um die Musikkapelle wieder spielfähig zu machen, wurden die Instrumente mit kleineren Fehlern selbst repariert und der Rest generalüberholt. Da in den Nachkriegsjahren das Geld rar und die Zeiten hart waren, wurden Naturalien (wie Kartoffeln, Butter, Speck, usw.) gesammelt, um die teuren Reparaturen und Anschaffungen bezahlen zu können. Durch Schwarzschlachtungen erhielt man die Felle für die Trommeln. So stand der Ausrückung am Ostermontag 1946 nichts mehr im Wege. Die Begeisterung aller Anwesenden war groß!
Es folgen erfolgreiche Jahre mit vielen Proben, Ausrückungen, Festen, Ausflügen und Reisen.
Höhepunkte waren sicher die Reisen nach Coburg, Wolfsburg, Brasilien und Istanbul.
Im Juli 1967 ist der Bau des Pavillons abgeschlossen und nach der feierlichen Weihe fand ein schönes Konzert der BMK Ehrwald statt. Seit damals ist dieser, auch durch seine zentrale Lage am Pfarrgarten, Mittelpunkt im dörflichen Geschehen. Es werden viele Veranstaltungen in und rund um den Pavillon abgehalten, unter anderem das wöchentliche Platzkonzert im Sommer.
Im August 1973 stiftet der ehemalige VW-Generaldirektor Horst Münzner, der Ehrwald sehr verbunden ist, eine neue Vereinsfahne. Seine Gattin Jutta Münzner übernahm die Fahnenpatenschaft und voller Stolz wird eben diese Fahne heute noch an der Spitze der Kapelle getragen.
Aktuell zählt unsere Musikkapelle 48 aktive Mitglieder, 1 Fähnrich und 4 Marketenderinnen, die von Kapellmeister Alfred Lercher und Obfrau Susanne Senftlechner geleitet werden.
Besonderer Anlass zur Freude geben unsere 22 Jungmusikanten, die hoffentlich bald in unsere Kapelle eintreten.
So blicken wir voller Stolz auf 200 Jahre Kameradschaft, Tradition und Freude zur Musik zurück, und wünschen uns und allen Freunden der Bürgermusikkapelle Ehrwald noch viele harmonische Jahre!





